Proteinangereicherte Produkte, Sinn oder Unsinn? – Proteinbedarf in unterschiedlichen Situationen

 

Gesunde Ernährung

Eiweiss, auch Protein genannt, ist neben Kohlenhydraten und Fetten einer der drei Hauptnährstoffe für den Körper. Eiweiss liefert dem Körper Energie und ist für den Erhalt und Aufbau der Muskeln zuständig. Darüber hinaus wirkt Protein als Enzym, Hormon oder als Transportprotein im Blut. Grundsätzlich kann bei einem normalgewichtigen Erwachsenen mit einem Bedarf von 0,8 g pro kg Körpergewicht pro Tag gerechnet werden. Bei einem Körpergewicht von z.B. 65 kg entspricht dies 52 g Protein.

Proteinangereicherte Produkte

Egal ob Joghurt, Müsli, Käse oder Brot, zahlreiche Produkte werden inzwischen mit Protein angereichert. Das Versprechen: Protein soll beim Abnehmen helfen und den Muskelaufbau unterstützen, fit, schlank und gesund dank Eiweiss. Aber stimmt das auch?

Allgemein kann gesagt werden, dass diese Produkte gegenüber herkömmlichen Produkten, nicht zu bevorzugen sind. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist ausreichend, um den Proteinbedarf zu decken. Die Schweizer Bevölkerung konsumiert bereits durchschnittlich 100g Protein pro Tag, was deutlich über der empfohlenen Menge liegt. Werden regelmässig mit Protein angereicherte Produkte konsumiert besteht die Gefahr zu viel Protein zu sich zu nehmen. Das kann zu einem Energieüberschuss und letztlich zu einer Gewichtszunahme führen. Zusätzlich sind diese Produkte oft teurer als herkömmliche.

Wer solche Produkte konsumiert möchte, sollte auch immer ein Auge auf die Zutaten und die Zusammensetzung und die Nährstoffe werfen. Mehr Protein bedeutet nicht automatisch gesünder! Oft wird der Zucker in solchen Produkten durch Süssungsmittel ersetzt, damit diese weniger Kalorien und Kohlenhydrate enthalten. Dabei gilt anzumerken, dass auch Süssungsmittel nicht unbegrenzt konsumiert werden sollten.

Überversorgung

Durch eine hochdosierte Zufuhr einzelner Aminosäuren («Baustein» des Proteins) in Form von Präparaten kann es zu einem Ungleichgewicht im Aminosäurestoffwechsel kommen. Einzelne Modelle geben Hinweise, dass es dadurch z.B. zu neurologischen Störungen kommen kann.

Die verfügbaren Daten sowie die Kenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Proteinzufuhr und Gesundheit reichen nicht aus, um eine tolerierbare Gesamtzufuhrmenge zu bestimmen. Laut WHO kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei einer andauernd erhöhten Proteinzufuhr keine negativen Wirkungen auftreten.

Gute Eiweisslieferanten – Qualität des Eiweisses

Gute Proteinlieferanten sind Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte (z.B. Sojaprodukte) und Nüsse. Mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung ist der Körper ausreichend mit Proteinen versorgt. Dies entspricht täglich 3 Portionen Milchprodukte und 1 Portion Fleisch, Fisch, Eier, Tofu oder Fleischersatzprodukte.

Nicht jedes Protein ist für den Körper qualitativ gleich hochwertig. Durch einen Trick lässt sich die Proteinqualität von einzelnen Lebensmitteln erhöhen. Werden Proteine pflanzlicher Lebensmittel mit anderen pflanzlichen oder tierischen Proteinen kombiniert, erhöht sich ihre biologische Wertigkeit. Die biologische Wertigkeit gilt als Maß dafür, wie viel eines aufgenommenen Nahrungsproteins in körpereigenes Protein umgewandelt werden kann. Je höher die biologische Wertigkeit desto besser können die Proteine in körpereigenes Protein umgewandelt werden.

Die Kombination von Kartoffeln mit einem Ei hat für einen Erwachsenen beispielsweise eine höhere biologische Wertigkeit als ein Stück Fleisch. Empfohlen wird, sich möglichst abwechslungsreich zu ernähren – das bedeutet nicht jeden Tag Fleisch zu essen. Ein Vorteil an pflanzlichen Lebensmitteln ist, dass sie meist fettärmer (weniger gesättigte Fettsäuren) und reich an Ballaststoffen sind, und auch keine unerwünschten Begleitstoffe wie Cholesterin enthalten.

Beispiele für eine bessere biologische Wertigkeit:

Kartoffeln mit Ei oder Milch/-produkten     → Salzkartoffeln mit Spiegelei / Kräuterquark

Milch/-produkte mit Getreide                       → Müsli mit Milch / Joghurt

Getreide und Hülsenfrüchte                        → Nudeln mit Sojabolognese

Getreide und Fleisch / Fisch                       → Reis mit Fleisch / Fisch

Hülsenfrüchte und Nüsse                           → Linsensuppe mit Nussbrot

 

Gewichtsreduktion

Während einer angestrebten Gewichtsreduktion sollte auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Orientierung bietet hier das Tellermodell. Bei der gewünschten Gewichtsreduktion ist es wichtig auf eine bedarfsdeckende Proteinzufuhr zu achten, da diese den Abbau der Muskeln verhindert. Zusätzlich sorgt das Protein für eine bessere und länger anhaltende Sättigung. Empfohlen werden 1,0-1,2 g pro kg Körper-Normalgewicht.

Mangelernährung

Bei einer Mangelernährung stehen dem Körper nicht alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung. Sie entsteht, wenn:

  • die Nährstoffzufuhr längerfristig geringer ist als der Nährstoffbedarf,
  • die zugeführten Nährstoffe nicht ausreichend verwertet werden können oder
  • ein unkontrollierter Abbau von Körpersubstanz vorliegt.

Die Ursachen einer Mangelernährung sind sehr komplex und multifaktoriell. Neben medizinischen Ursachen (z.B. Tumorerkrankungen) spielen oft auch nicht medizinische Ursachen (z.B. unausgewogene Nahrungsmittel-Auswahl, schlechter Zahnstatus) eine Rolle in der Entwicklung der Mangelernährung. Je nachdem, welche Krankheit der Mangelernährung zugrunde liegt, kann der Proteinbedarf erhöht sein. In diesem Fall ist eine gesteigerte Proteinzufuhr notwendig, um das Immunsystem zu unterstützen und Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Im Alter

Eine ausreichende Proteinzufuhr und Energieaufnahme ist bei älteren Menschen von grosser Bedeutung, da diese Bevölkerungsgruppe ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen und Mangelernährung hat. Ab dem 65. Lebensjahr steigt der Proteinbedarf auf 1,0g pro kg Normalgewicht leicht an. Dies soll u.a. dem Abbau von Muskeln entgegenwirken.  

Quellen:

D-A-CH-Referenzwerte

Grundfragen der Ernährung / Schlieper

  1. Schweizerischer Ernährungsbericht

DGE

Bildquelle: VitaMoment 2021

 

 

 

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